Geschichten

Hier sammeln wir einige Erfahrungsberichte von unseren Helferinnen und Helfern sowie von Flüchtlingen aus Bensheim


18.10.2015 Nicole, Bensheim

In einer Zeit, in der viele Mitbürger ja augenscheinlich außer angeblichen Ängsten für Flüchtlinge nichts übrig haben, und sich bedroht und finanziell gefährdet fühlen – insbesondere sind das ja immer die braven Bürger, die bis auf Fotos in der Bildzeitung oder in den RTL Nachrichten noch nie einen Geflüchteten aus der Nähe gesehen haben – kann ich für mich ein ganz anderes Resümee ziehen. Mein Leben wurde in den vergangenen 2 Monaten auf wunderschöne Weise durch unsere neuen Freunde bereichert. Ich habe bewundernswerte, engagierte Menschen kennengelernt, die mir den Glauben an unsere Spezies zurück gegeben haben. Die selbstlos und ohne großes Aufsehen ihre Freizeit und ihre Kraft geben. Ich habe unfassbar tapfere, aufgeschlossene Menschen kennengelernt, die Furchtbares erlebt haben, und jedes Recht hätten, Fremden mit Skepsis zu begegnen. Doch sie wollen lernen und etwas leisten, einfach nochmal neu anfangen. Man muss nicht dieselbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen! Ein Lächeln ist universell. Ich habe Kinder kennenlernen dürfen, denen mein Herz gehört! Sie sind unsere einzige Hoffnung. Und für sie werde ich auch in Zukunft da sein. Kein populistischer Aufruf, kein braunes Stammtischgelaber, keine versteckte oder offene Drohung wird mich stoppen. Das ist mein Weg. Geh ihn mit mir oder geh mir aus dem Weg!

Es kommt nicht darauf an, was du an materiellen Dingen gibst – wenn du selbst nicht viel hast, dann gib einfach ein bisschen Freundschaft ab. Es kostet nichts und bringt so viel. Verschenke ein Lächeln, ein freundliches Nicken. Ein offenes Ohr, eine helfende Hand, einen vorurteilsfreien Blickwinkel. Das alles kostet nichts. Im Gegenteil, es macht dich reich. Was du dafür bekommst, ist kostbar und unbezahlbar. Es ist Liebe. Das durfte ich in den letzten Wochen erfahren!


18.10.2015 Wassim, Syrien

„Ein syrischer Flüchtling und Bensheim – Eine Geschichte von Liebe und Schmerz“
Am Anfang hatte ich Angst vor dem Unbekannten. Aber als ich Freunde im Camp fand, habe ich mich sicher gefühlt. Nach kurzer Zeit lernte ich Menschen aus Bensheim kennen. Sie mochten mich und gaben mir Zuneigung. Sie wurden zu meiner deutschen Familie. Sie ließen mich meinen Schmerz und meine Erschöpfung, Entfremdung und Flucht vergessen. Aber der Himmel wollte mich noch ein weiteres Mal prüfen – Ich musste Bensheim verlassen. Meine Flucht aus Syrien war nicht genug. Ich liebe Bensheim und leide sehr darunter, dass ich gehen musste.
1.000 Dankeschön! 1.000 Shukran!

„Syrian refugee and Bensheim – A story of love and pain“
At first I felt fear of the unknown. But when I got to know people and friends in the camp I felt safe. After a short time I got to know people living in Bensheim. They loved me and gave me affection. Simply they became my german family. They made me forget the sadness and fatigue, alienation and immigration. But the sky wanted to test me once again – I had to leave Bensheim. For heaven my migration from Syria was not enough. Yes I love Bensheim and suffer very much because I had to leave.
1.000 Dankeschön! 1.000 Shukran!